Der Tod – das grosse Tabu?

Der Übergangstag, wie ich den Todestag  meines jüngeren Sohnes nenne, ist vorbei. Es ist wieder Alltag eingekehrt. Viele Leute haben mir an diesem Tag geschrieben, dass sie an mich dächten, dass sie an meinen Sohn dächten, an meine Familie, und es waren sehr schöne Gedanken, die sie mir geschrieben und ich möchte mich bei ihnen allen von Herzen bedanken.

Und ähnlich wie nach Weihnachten, wo irgendwann mal der Tannenbaum der warmen Stube weichen muss, weil er unangenehm viele Nadeln fallen lässt, seine Zeit vorbei ist, weicht auch das Thema aus den Köpfen der Menschen, die nicht zu den direkt Verlusterfahrenen gehören. Das Wissen, dass da doch vor ein paar Jahren noch jemand war, an der Seite des Verlusterfahrenen, verflüchtigt sich, das Leben geht wieder seinen normalen Gang, bis es sich dann jährt, das Ereignis, das so ziemlich alles verändert …

Wer das Glück hat, noch nie einem solchen Ereignis namens ’Tod eines geliebten Menschen’ begegnet zu sein, der kann nicht erahnen, wie tief die Einsamkeit Verlusterfahrener sich anfühlt, nicht annähernd.

Man könnte sie vergleichen mit der Einsamkeit, die sich ausbreiten würde, wenn ein geliebter Mensch aus irgendwelchen Gründen seine Identität vertuschen müsste: Wenn er einen anderen Pass bekäme, wenn man ihm einen anderen Namen verpassen würde, wenn man ihn ausser Lande schicken würde, auf dass er im eigenen in Vergessenheit gerät, weil unbequem, weil unschön die Beschäftigung mit ihm, weil störend im Alltag, weil untragbar in diesem Lande. Und man selbst, als Vater oder Mutter oder Tochter oder Sohn oder Freundin oder Freund dieses geliebten Menschen wüsste jedoch ganz genau, dass er noch da ist, dass er lebt, dass man mit ihm Kontakt aufnehmen kann, wenn auch heimlich natürlich, denn davon zu reden würde bei anderen Irritation auslösen, würde bei anderen Ängste auslösen, würde die anderen daran erinnern, dass jederzeit wieder geschehen könnte, was mit diesem geliebten Menschen geschehen ist, und man möchte nicht ständig daran erinnert werden, dass man in einem Lande lebt, in dem solche Ereignisse an der Tagesordnung sind, dass tagtäglich ein Mensch einfach so verschwindet, ausser Sichtweite, auf quasi Nimmerwiedersehen.

Und ja, es gibt solche Länder, wo solches geschieht – in Tat und Wirklichkeit. Länder, in denen geliebte Menschen aus dem eigenen wegziehen müssen. Aber dieses Thema möchte ich heute nicht vertiefen, ich will nur versuchen aufzuzeigen, womit man die Einsamkeit eines Verlusterfahrenen vergleichen könnte: mit dem Erlebniswissen eines jeden Einzelnen von uns nämlich.

Vergleiche zu ziehen ist heikel, das ist mir bewusst, denn wenn man diesen Verlust nicht erfahren hat, kann man ihn wie bereits erwähnt kaum nachvollziehen, aber man kann sich in eine ähnliche Situation hineindenken. Und auch wenn diese obige drastisch geschildert ist, gibt sie vielleicht ein wenig das Gefühl wieder, das Verlusterfahrene tagtäglich 24 Stunden am Tag haben … Einsamkeit, tiefste tiefste Einsamkeit … Denn auch in unseren Ländern ist selten die Rede vom Thema das uns alle angeht – und man sagt solchen Themen Tabuthemen.

Dazu ein paar Gedanken in Dialogform:

»Kennt jeder, weiss jeder, braucht nun also hier nicht noch extra erwähnt zu werden, und überhaupt! Dieser Vergleich hinkt und stinkt zum Himmel! Denn hier in unseren Landen wird zwar auf Biegen und Brechen gestorben, ja, das mag sein, aber das Thema ’Tod’ ist doch kein Tabu! Man kann doch jederzeit mit jedem darüber reden! Und wir anderen nehmen doch Anteil am Leid des anderen, also wirklich. Wir wissen doch wie schlimm das ist und wir wissen doch, dass es ihn gibt, diesen Tod, und dass er das Allerallerschlimmste überhaupt ist, was einen Menschen treffen kann, und deshalb nehmen wir doch Rücksicht auf die Opfer dieses Todes und wir kümmern uns doch um sie und wir bieten ihnen Therapien an, wo sie sich ausheulen können; und wir bieten ihnen Pharmaka an, die ihnen helfen, und wir tun doch alles, damit diese Opfer des Todes wieder halbwegs ein normales Leben führen können! Also echt jetzt, das nervt so einigermassen, wie wir da durch den Schlamm gezogen werden, wie wenn wir hier in unseren Landen das Thema Tod zum Tabu erklärt hätten!«

… die tiefste aller Einsamkeiten hat nichts damit zu tun, dass wir als Verlusterfahrene nicht umsorgt würden, dass man uns keine Therapien anbietet, dass wir keine Tabletten bekommen täten vom Arzte eines jeden Hauses … Die tiefste aller Einsamkeiten hat vielmehr damit zu tun, dass der geliebte Mensch, weil ausser Sichtweite, weil mit den physischen Sinnen nicht mehr wahrnehmbar, wie lebendig begraben wurde … Wenn nicht gerade der ’Todestag’ ansteht, wenn nicht gerade Weihnachten ist und auffällt, dass da einer fehlt unter dem Baum, dann geht für die meisten der Alltag wie gehabt weiter …

»Ja meine Güte, was erwartest du denn von uns?! Sollen wir des Tages und des Nachts dein Händchen halten und dich betrauern und dir sagen wie unendlich leid uns das tut, dass der Tod gerade DICH erwischt hat? Also weisst du, wir haben auch noch anderes zu tun, und hinzukommt, dass du ja bei Weitem nicht die Einzige bist, die so etwas erlebt, und weshalb gehst du denn nicht endlich mal in diese Trauergruppe, die es doch da überall gibt, extra für Menschen wie dich und Deinesgleichen?!«

… die tiefste aller Einsamkeiten hat auch damit nichts zu tun, dass man nicht auf andere sogenannt „Trauernde“ stossen würde, wenn man sich auf die Suche nach ihnen macht. Und interessanterweise ist die Zahl derer, die sogenannt „Opfer des Todes“ geworden sind höher, als man sich vorstellen kann. Nein, noch höher. So hoch ist da diese Zahl von Menschen bei denen der Tod an die Haustür geklopft hat dass es jegliches Vorstellungsvermögen übersteigt. Es sind mehrere Zehntausende, verteilt auf mehrere Gruppen in den Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich – mehrere zehntausend Menschen die von dieser tiefsten aller Einsamkeiten betroffen sind …

»Na also! Wer sagt’s denn. Dann ist’s ja gut, was soll also das Gejammer, dann tu dich halt zusammen mit denen und dann ist aus die Maus mit Einsamkeit!«

… die tiefste aller Einsamkeiten hat auch damit nichts zu tun. Es hilft kein Sich-zusammen-tun, es lindert höchstens für den Moment ein wenig den Verlustschmerz, wenn man sieht, dass man nicht das einzige ’Opfer’ ist, dass es da noch andere gibt – Zehntausende andere …

»Ok, was genau ist es dann?! Kannst du mir das jetzt nicht einmal abschliessend erklären? Was genau erwartest du denn von mir, von uns anderen? Was sollen wir deiner Meinung nach tun, um deine Einsamkeit zu lindern? Denn wenn ich wüsste, was ich machen könnte, um dich aus dieser Isolation heraus zu holen, dann würde ich das tun, das weisst du doch!«

… die tiefste aller Einsamkeiten hat damit zu tun, dass der ’Tod’ unter uns allen ein Tabuthema ist. Dass nicht offen darüber gesprochen wird. Und wenn, dann gerne und öfters und lieber nur in privaten Fernsehsendern oder in Büchern, die von denjenigen gelesen werden, die sich bereits gelöst haben von der alten materialistischen Sichtweise, die da noch immer überall gelehrt wird an den Schulen und die man mit der Muttermilch aufgesogen hat und die dann zum Tragen kommt, wenn ein ’Todesfall’ in der nahen Umgebung eintritt, so dass man eingeladen wird dem ’Verstorbenen’ die letzte Ehre zu erweisen.

»Oh, dein geliebter Mensch ist tot … das tut mir so unendlich leid … ja, die Vorstellung, dass er doch gerade eben noch da war und nun stehen wir da an seinem Grabe und betrachten die Erde mit den schönen Blumen, die ihm da unten sicherlich ein wenig Trost spenden wenn er da so aschenmässig vor sich hin ruht.«

… die tiefste aller Einsamkeiten hat mit der Sichtweise und der eingeschränkten Perspektive des materialistischen Weltbildes zu tun und damit, dass für die meisten Menschen die Erde noch immer eine Scheibe ist und dass der geliebte Mensch nun leider von dieser gestürzt ist, was zwar hochtragisch, aber leider nicht zu ändern ist. Und das Leben geht doch weiter, und schau wie schön die Sonne, und schau wie schön der Mond, und du bist doch so eine Träumerin, dann träum dir doch dein Leben wie es wäre, wenn es anders wäre …

… und so kommen in meinen Träumen plötzlich Menschen, die behaupten, dass sie mit dem Abgestürzten Kontakt aufnehmen können; und dann kommen da Menschen, die behaupten, dass sie ausserhalb ihres Körper wunderschöne Erfahrungen gemacht hätten und dass sie von ihren Liebsten abgeholt worden seien; und dann kommen da Menschen die studiert haben und lange Jahre an der Universität waren und alles gelernt haben was das materialistische Weltbild hergibt; und dann ist das denen zu wenig und sie forschen weiter; und dann gibt es so Studien und so Forschungszweige und dann sagt in meinen Träumen so ein Forscher namens Pim van Lommel:

»Das Problem ist nicht, dass wir nicht herausgefunden haben wie das genau ist mit dem sogenannten ’Tod’ – das Problem ist, dass es nicht allen bekannt ist, denn der Tod ist noch immer ein grosses Tabu!«

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… die tiefste aller Einsamkeiten – und wer befreit?

Über meinen Befreiungsweg erzähle ich im ’trosthandbuch – Wegweiser aus der Trauer’, welches vor kurzem in der 3. Auflage mit einem Nachwort von Gabi Laszinger, der Gründerin von www.happy-children.de, an deren Kinderhilfswerk der gesamte Erlös des Buches geht, erschienen ist.

Geboren wird täglich, gestorben auch. Und deshalb erübrigt sich eigentlich die Frage, für wen dieser Themenbereich von Belang wäre … auch auf meiner öffentlichen Facebookseite zum Buch erzähle ich davon. Dazu bitte → hier klicken.

Weitere Infos gibt es hier: www.barbarawalti.ch und auf diesem Blog unter folgendem Link: elterntreffpunkt-girasol.ch/author/barbara-w/

Meine erste Work

Ich hatte also festgestellt, dass ich nichts zu verlieren hatte. Rein gar nichts. Und ich hatte Zeit. Viel Zeit. Mich schreckte auch so schnell nichts mehr ab und schon gar nicht etwas, das sich «einfach» anhörte – denn Schwieriges hatte ich genug zu bewältigen und gegen ein Wunder hätte ich nichts einzuwenden gehabt.

Meine Gefühlslage war ebenfalls glasklar. Ich war schlicht und ergreifend traurig. Todtraurig. Und ich wusste nicht, ob ich jemals wieder nicht traurig sein würde und dies belastete mich unbeschreiblich. Denn wenn ich nie mehr ohne diese Traurigkeit, ohne dieses Mich-schuldig-Fühlen sein würde, dann würde ich nie mehr dieselbe sein wie vor dem Tod von Julian. Ich würde das Leben dann nie wieder geniessen können und mich nie wieder freuen können ob all dem Schönen, das da noch immer sein könnte in meinem Leben. Und das machte mir Angst. Also öffnete ich meinen Laptop und machte im November 2014 die erste Work meines Lebens.

Die vier Fragen mit meinem Ausgangssatz

«Ich werde nie mehr dieselbe sein wie vorher.»

1. Frage: Ist das wahr?
«Ja, das ist wahr.»

2. Frage: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
«Ja, das kann ich.»

3. Frage: Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
«Es macht mich noch trauriger als ich schon bin. Es zieht mich runter. Ich fühle meine alte Kraft nicht mehr. Ich habe Angst, dass ich nicht mehr beziehungsfähig bin, dass meine Partnerschaft zerbricht. Ich kann mir nicht vorstellen, je wieder arbeiten zu gehen. Ich fühle mich unendlich schuldig meinem älteren Sohn gegenüber, weil ich nicht mehr dieselbe lebensfrohe Mama für ihn sein werde wie vorher.»

4. Frage: Wer wärst du ohne diesen Gedanken?
«Ohne diesen Gedanken? Also wenn ich diesen Gedanken einfach gar nicht denken könnte? Tja, dann … Also wenn 
ich diesen Gedanken nicht hätte, dann wäre ich entlasteter, dann wäre ich etwas unbeschwerter, dann würde ich mich freier fühlen und auch ein wenig mehr wieder in meiner Kraft. Ich würde daran glauben können, dass es mit der Zeit wieder anders wird, besser, dass ich dieselbe sein werde, trotz meiner schmerzvollen Erfahrung. Dieselbe von meiner Wesensart und von meinem Lebenswillen, meiner Lebensfreude her. Ja, diese Zuversicht hätte ich, würde ich diesen Gedanken gar nicht denken können.»

Während ich mir dies alles aufschrieb, geschah etwas Sonderbares. Das Gefühl folgte meinen eingetippten Gedanken auf dem Bildschirm. Ich konnte es geradezu körperlich spüren. Als ich bei der 3. Frage aufschrieb, was mit mir passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube, bekam ich Magenschmerzen, wie so oft in dieser Zeit. Und als ich bei der 4. Frage alles aufschrieb, was mir in den Sinn kam, wenn dieser Gedanke einfach gar nicht in meinem Kopf existieren würde, da fühlte ich mich besser, irgendwie befreiter. Ich merkte, dass ich schneller schrieb, sich alles leichter anfühlte und ich vor lauter Aufregung an den Händen zu schwitzen begann.

Und obwohl ich mir damals noch nicht die Zeit genommen hatte, um mit den vier Fragen in die Stille zu gehen und mir auch nicht bewusst war, dass The Work im Grunde genommen eine Meditation ist, habe ich dennoch eine erste intensive Erfahrung mit der befreienden Wirkungsweise von The Work machen können.

Die drei Umkehrungen mit meinem Ausgangssatz: «Ich werde nie mehr dieselbe sein wie vorher.»

Nun ging es noch darum, zu jeder dieser drei Umkehrungen Beispiele zu suchen, die sich für mich genauso wahr anfühlen würden wie der ursprüngliche Ausgangssatz selbst.

Umkehrung ins Gegenteil

«Ich werde wieder dieselbe sein wie vorher.»

1. Beispiel: «Ich werde wieder dieselbe sein wie vorher, wenn die erste Trauerphase vorbei ist. Das sagt man doch so, Zeit heilt Wunden, oder nicht?»

2. Beispiel: «Ich werde wieder dieselbe sein wie vorher, wenn ich mir ganz fest Mühe gebe. Wenn ich es einfach ganz fest will. Ja, dann könnte es sein, dass ich es schaffen werde.»

3. Beispiel: «Ich werde wieder dieselbe sein wie vorher, wenn es mir gelingen würde, mich mit Hilfe von The Work von all meinen belastenden Gedanken zu befreien. Mich zu befreien von all den verzweifelten Gedanken, die sich um meine Schuld drehen und mich zu befreien von all den schmerzvollen Gedanken, die mich von morgens bis abends in Beschlag nehmen. Ja, wenn mir dies gelingen sollte, dann könnte es vielleicht sein, dass ich schon bald wieder dieselbe sein würde wie vorher und nicht erst nach einer langen, langen Trauerphase.»

Umkehrung zum anderen

«Ich werde zu den anderen nie wieder dieselbe sein wie vorher.»

1. Beispiel: «Ja, auch das könnte wahr sein und zwar dann, wenn ich mich vollkommen in mich selbst zurückziehen würde, mich von den anderen abschotten würde und niemanden mehr an mich herankommen lassen würde.»

2. Beispiel: «Oder, wenn ich eben nicht mehr beziehungsfähig wäre, wenn es mir nicht mehr möglich wäre, mich meinem Partner gegenüber zu öffnen.»

3. Beispiel: «Und ja, wenn ich in der Trauer ertrinken würde, dann wäre ich über Jahre hinweg nicht mehr dieselbe Mama, Partnerin, Freundin – ich würde zu den anderen nie mehr dieselbe liebevolle Beziehung haben können, weil ich innerlich mitgestorben wäre mit Julian.»

Umkehrung zu mir selbst

«Ich werde zu mir nie wieder dieselbe sein wie vorher.»

1. Beispiel: «Ja, das ist insofern sehr wahr, als dass ich zu mir nie wieder dieselbe sein würde, wenn ich mich in meinen Schuldgefühlen verlieren würde. Ich würde dann mit einem aggressiven Unterton mir selbst gegenüber leben müssen, weil ich es mir nie verzeihen könnte, dass ich nicht gut genug zu meinem Sohn geschaut habe. Ja, ich wäre dann tatsächlich nie mehr dieselbe zu mir wie vorher.»

2. Beispiel: «Und ja, auch das ist wahr: Wenn ich mich ein Leben lang schuldig fühlen würde für den Tod meines jüngeren Sohnes, dann hätte ich auch kein Vertrauen mehr in mich, dass ich es mit dem älteren Sohn gut machen würde. Dann würde ich an mir als Mutter zweifeln, ich hätte kein Vertrauen mehr in mich.»

3. Beispiel: «Und ich würde zu mir insofern nie mehr dieselbe sein, als dass ich, wegen meines mangelnden Vertrauens in mich als Mutter, überaus ängstlich würde und meinem älteren Sohn nichts mehr zutrauen würde und so würde ich mir selbst immer fremder werden.»

Das wollte ich nicht. Ich wollte mir nicht selbst fremd werden. Ich wollte auch nicht auf den Faktor Zeit bauen, denn aufgrund meiner Erfahrung, die ich im Zusammenhang mit der Trauer meiner Eltern um ihren Sohn gemacht hatte, wusste ich, dass Zeit nicht automatisch Wunden heilt und auch nicht wirklich die Trauer schmälert.

Was ich mir jedoch zutiefst wünschte, war, mich von meinen verzweifelt traurigen Gedanken befreien zu können und dank dieser ersten Work hatte ich die wegweisende Erfahrung machen dürfen, dass dies auch in meiner Situation möglich war. Und so nahm ich die Lektüre von Boerners Buch wieder auf, überflog kurz das Inhaltsverzeichnis, um dann beim achten Kapitel Das Ende des Leidens weiter zu lesen. Auf diesen 15 Seiten hat Moritz Boerner eine einstündige Tonbandaufnahme von Byron Katie Wort für Wort niedergeschrieben. Inhaltlich ist der Text sehr dicht, intensiv, radikal. Ich las und las, verschmolz mit den Worten, meine Gedanken standen still. Plötzlich ging es ums Sterben.

Byron Katie sagt: «Wir sterben nicht. Tod ist gar nicht möglich! Unsere Gedanken über den Tod sind völlig verdreht und funktionieren nicht. […] Der Mensch versucht seinen Körper zu schützen, weil er denkt, er sei der Körper. Dass er ein auf Erden wandelndes spirituelles Wesen ist, hat er vergessen. Er hat sein ewiges Leben vergessen. Wann immer du angstvoll an den Tod denkst, kannst du sicher sein, dass dies ein verdrehtes Denken ist. Menschen, die Nahtoderlebenisse hatten, berichten von grosser Schönheit, Ekstase und Frieden … ich bin einer dieser Menschen. […] Es gibt nur einen wirklichen Tod, den Tod eines Glaubenssatzes.»

Dieses achte Kapitel beeindruckte mich tief und meine Ahnung verstärkte sich, dass es ihn gab, diesen Weg, welcher mich aus all meinen Schuldgefühlen und meinen verzweifelt traurigen Gefühlen hinaus führen würde, und so bestellte ich sämtliche auf Deutsch erschienen Bücher von Byron Katie, unter anderen auch ihr Grundlagenwerk Lieben was ist. Nach der Lektüre dieses wundervollen Buches meldete ich mich für den Ausbildungsgang Coach für The Work nach Byron Katie an, welchen ich im Sommer 2015 abgeschlossen habe.

(Fortsetzung folgt)

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Quelle: trosthandbuch, Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
Siehe auch: Der Tod und was danach kommt (in diesem Blog)

Die Methode von The Work

Bei The Work geht es darum, die ganz konkrete Situation zu untersuchen, in der man leidet, sich traurig, wütend, ängstlich oder sonst irgendwie unglücklich fühlt – um dann denjenigen Gedanken zu finden, der diese belastenden Gefühle ausgelöst hat. Byron Katie schreibt über das Wesen der Gedanken in ihrem Büchlein Eine Einführung:

«Ein Gedanke ist solange harmlos, bis wir ihn glauben. Es sind nicht unsere Gedanken, sondern das Anhaften an unsere Gedanken, das Leiden verursacht. Einem Gedanken anzuhaften bedeutet, ihn für wahr zu halten, ohne dies überprüft zu haben. Eine Überzeugung ist ein Gedanke, an dem wir – vielleicht seit Jahren – anhaften.»

Wenn man herausgefunden hat, welcher Gedanke für das leidvolle Gefühl verantwortlich ist, kann man diesen Gedanken mit den vier Fragen von Byron Katie auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüfen.

Ich schreibe die Fragen – mit Auszügen aus dem jeweiligen Kommentar von Byron Katies Eine Einführung – in diesem Theorieteil auf, ohne ein Beispiel dazu zu machen.

Anschliessend werde ich anhand eines praktischen Beispiels, meiner ersten Work, diese vier Fragen konkret beantworten.

1. Frage: Ist das wahr?

«Nimm dir Zeit, wenn du die erste Frage stellst. Die Antwort ist entweder ja oder nein. (Bei ‹nein› gehe weiter zur 3. Frage). Bei The Work geht es darum, im tiefsten Teil deiner selbst zu entdecken, was wahr ist. Jetzt hörst du auf deine Antwort, nicht auf die Antwort anderer Menschen und nicht auf das, was dir beigebracht wurde.»

2. Frage: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

«Wenn du die erste Frage mit ja beantwortet hast, frage dich: ‹Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?› In vielen Fällen scheint die Aussage wahr zu sein. Natürlich ist das so. Deine Konzepte basieren auf Überzeugungen, die ein Leben lang ungeprüft blieben.»

3. Frage: Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?

«Mit dieser Frage beginnen wir, innere Ursachen und Wirkungen wahrzunehmen. Du kannst erkennen, dass es, wenn du den Gedanken glaubst, ein ungutes Gefühl ist; eine Störung, die von leichtem Unbehagen bis hin zu Angst und Panik reichen kann. […] Ich liebe die 3. Frage. Sobald du sie für dich selbst beantwortest, sobald du die Ursache und Wirkung eines Gedankens erkennst, beginnt sich alles Leiden aufzulösen.»

4. Frage: Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

«Dies ist eine sehr kraftvolle Frage. Wer oder was wärst
du ohne diesen Gedanken? Wie würde es dir ohne diesen Gedanken gehen? Schliesse jetzt, nur für ein oder zwei Minuten die Augen und stell dir vor, wer du wärst, wenn du nicht einmal in der Lage wärst, diesen Gedanken zu den- ken? Wie wäre dein Leben anders in dieser Situation ohne den Gedanken?»

Wenn es manchmal eine Situation gibt, in der ich mir einfach nicht vorstellen kann wie es wäre, wenn ich diesen Gedanken nicht hätte, hilft mir folgendes Bild:

Ich stolpere über irgendetwas, falle unsanft hin, schlage dabei mit dem Kopf auf und bin für einen ganz kurzen Moment bewusstlos. Dann rapple ich mich wieder auf, halte mir mit beiden Händen den Kopf, um zu schauen ob er blutet – aber nein, es fehlt ihm nichts. Das einzige was ihm fehlt, ist dieser eine Gedanke, dieser belastende, leidvolle Gedanke. Der löste sich beim Sturz irgendwie auf und ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an ihn erinnern. Er ist weg. Verschwunden. Und ich weiss nicht einmal mehr, dass ich ihn einmal hatte.

Zur Vorgehensweise bei der Beantwortung dieser Fragen schreibt Byron Katie in Eine Einführung: «The Work ist Meditation. Es ist wie in sich selbst hineintauchen. Denke über die Frage nach, falle hinein in die Tiefe deiner selbst, höre zu und warte. Die Antwort wird deine Frage finden.»

Hat man die Antworten auf diese Weise gefunden, kann man zu den drei Umkehrungen des belastenden Gedankens übergehen. Auch hier möchte ich zum besseren Verständnis zuerst wieder etwas aus Byron Katies Eine Einführung zitieren:

«Finde Gegensätze zu der ursprünglichen Aussage, die du auf dein Arbeitsblatt geschrieben hast, um die Umkehrungen zu machen. Eine Aussage kann oft zu dir selbst, zum anderen und ins Gegenteil umgekehrt werden. […] Es gibt nicht für jede Aussage drei Umkehrungen und für manche gibt es mehr als drei.

Es kann sein, dass manche Umkehrungen keinen Sinn für dich ergeben. Versuche nicht, etwas mit den Umkehrungen zu erzwingen. Beziehe dich bei jeder Umkehrung auf die ursprüngliche Aussage. […] Die Umkehrungen sind ein sehr kraftvoller Teil von The Work. So lange du denkst, die Ursachen für dein Problem befänden sich ‹da draussen›, so lange denkst du, jemand oder etwas anderes sei für dein Leiden verantwortlich – so lange bleibt die Situation hoffnungslos. Das bedeutet, du wirst für immer in der Opferrolle verharren. Du leidest im Paradies. Bringe die Wahrheit nach Hause zu dir selbst und fange an, dich selbst zu befreien. Es ist nicht länger nötig darauf zu warten, dass sich Menschen oder Situationen verändern, damit du Frieden und Harmonie erleben kannst. The Work ist der direkte Weg, dein eigenes Glück zu orchestrieren.»

Ich muss zugeben, als ich diese Worte von Byron Katie zum ersten Mal las, dachte ich bei mir: Was meint sie wohl mit «leiden im Paradies?» Welches Paradies denn? In meiner Situation! Und freiwillig verharre ich bestimmt nicht in einer Opferrolle, aber es ist halt einfach wie es ist, ich bin ein Opfer geworden oder etwa nicht?!

Dass ich Opfer meiner eigenen Gedanken war (und es immer wieder bin) war mir zu diesem Zeitpunkt, wenige Wochen nach dem Tod meines Sohnes, natürlich nicht bewusst. Aber es ging mir so unglaublich schlecht und mein Leiden war so abgrundtief, dass ich wusste, zu verlieren hatte ich nichts. Ich konnte es ja ausprobieren: Wie das so wäre, mit dieser Hinterfragerei meiner Gedanken. Denn es kam ja wirklich nicht mehr darauf an, was ich mit ihnen tat. Sie bombardierten mich 24 Stunden am Tag – wachend, träumend, immer mich fertig machend, diese leidvollen, verzweifelt traurigen Gedanken.

Und wenn The Work tatsächlich die Methode sein sollte, die mich von all diesen Gedanken befreien könnte, dann wollte ich sie erlernen, in der Hoffnung, dass es mir so ergehen würde wie dieser Mutter im Beispiel von Moritz Boerners Buch. Denn dieses Beispiel beeindruckte mich nachhaltig und versöhnte mich mit den Worten Byron Katies bezüglich der Opferrolle. Und was könnte ich mir mehr wünschen, als «mein eigenes Glück zu orchestrieren»? Denn rückgängig machen konnte ich meine Situation nicht, aber vorwärts gehen, das wäre eine Möglichkeit – und Stillstand widersprach mir seit jeher.

Zurück also zur Theorie und den Umkehrungen. Auch da werde ich anhand eines eigenen Beispiels, meiner ersten Work, anschaulicher zeigen können, wie sie funktionieren.

Hier zuerst die Auflistung der drei Umkehrungen der ursprünglichen Aussage:

Die erste Umkehrung ist eine Umkehrung der ursprünglichen Aussage ins Gegenteil.
Die zweite Umkehrung ist eine Umkehrung der ursprünglichen Aussage zum anderen.
Und die dritte Umkehrung ist eine Umkehrung der ursprünglichen Aussage zu mir selbst.

Zu jeder dieser drei Umkehrungen sucht man dann konkrete Beispiele aus dem eigenen Erleben, wie diese Umkehrungen genauso wahr sein könnten wie die ursprüngliche Aussage. So verliert der belastende Gedanke immer mehr an Macht und lässt einen mit der Zeit ganz von alleine los, sobald man mit Hilfe der vier Fragen herausgefunden hat, dass er nicht der eigenen, inneren Wahrheit entspricht.

Und weil der Gedanke der eigentliche Auslöser für unsere unglücklichen Gefühle in dieser Situation ist, befreit uns die Überprüfung von all unseren traurig verzweifelten, leidvollen Gefühlen, die wir angesichts dieser Situation bislang gefühlt haben.

Was sich hier ein wenig kompliziert anhört, ist im Grunde genommen ganz einfach, sobald man einmal eine eigene Erfahrung mit The Work gemacht hat. Byron Katie betont immer wieder, dass The Work ein Erfahrungsweg sei und kein Erkenntnisweg. Und Moritz Boerner fasst die Wirkung der Methode im Buch Byron Katies The Work wie folgt zusammen:

«The Work kann und wird Ihr Leben radikal verändern – allerdings nur, wenn Sie sie machen. Und haben Sie schon einmal etwas so Einfaches kennengelernt? Vier Fragen – eine Umkehrung?

Tatsache ist, dass diese Einfachheit manchen abschrecken könnte (Wie kann das wirken, wenn es so einfach ist?), aber ich versichere Ihnen, Wunder sind nichts Ungewöhnliches, wenn man eine Weile The Work praktiziert und vor allem auch das Leben von Menschen verfolgt, die sie im Freundeskreis oder auf Seminaren anwenden.»

In Anhang II (meines Trosthandbuches) habe ich einige auf Deutsch erschienene Bücher von Byron Katie zusammengestellt und unter Weblinks ein paar Websites zum Thema «The Work» aufgeführt.

(Fortsetzung folgt)

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Quelle: trosthandbuch, Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
Siehe auch: Der Tod und was danach kommt (in diesem Blog)

Die Entdeckerin von The Work

Byron Katie hat ihre Methode zur Überprüfung von Gedanken oder Überzeugungen nicht aus ihrem Verstand oder ihrer Ausbildung heraus entwickelt. Sie war eine ganz normale Mutter und Hausfrau und als Unternehmerin tätig. In ihrer Lebensmitte geriet sie in eine tiefe Krise und während zweier Jahre war sie kaum noch in der Lage aufzustehen und ihren Pflichten nachzukommen. Als letzten Ausweg wies sie sich selbst in eine Klinik ein, die jedoch auf ihre tiefe Depression gar nicht zugeschnitten war.

Sie schlief auf dem nackten Boden, weil sie sich nichts anderes mehr zugestehen konnte und erwachte eines Morgens mit einer vollkommenen Stille im Kopf. Nichts war mehr wie vorher und sie erkannte, dass nicht ihre Probleme der Grund für ihre Depression waren, sondern einzig und allein, dass sie ihren Gedanken an diese Probleme Glauben schenkte.

Von da an begann sie alle ihre Gedanken und ihre eingefleischten Glaubenssätze auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen. Sie fragte sich bei jedem Gedanken oder Glaubenssatz, der sie auch nur ansatzweise belastete, ob er wirklich stimme und die Frage «Ist das wahr?» bekam einen zentralen Stellenwert in ihrem Leben. Im Vorwort des Büchleins Eine Einführung steht:

«Katie entwickelte The Work, eine einfache aber kraftvolle Methode der Überprüfung, die den Menschen zeigt, wie sie sich selbst befreien können. Ihre Einsichten in den menschlichen Geist (bzw. Verstand) stimmen überein mit der Spitzenforschung der kognitiven Neurowissenschaft. The Work wurde verglichen mit dem sokratischen Dialog, mit buddhistischen Belehrungen und dem Zwölf-Schritte-Programm. Aber Katie hat The Work ohne religiöses oder psychologisches Vorwissen entwickelt. The Work gründet allein auf der direkten Erfahrung einer Frau davon, wie Leiden erschaffen wird und wie es beendet werden kann.»

(Fortsetzung folgt)

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Quelle: trosthandbuch, Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
Siehe auch: Der Tod und was danach kommt (in diesem Blog)

The Work

Die Sonne schien, es war Mitte Oktober 2014, ich sass im Garten einer Freundin und tauschte mich mit ihr über Gott und die Welt im Allgemeinen und über Julian im Speziellen aus. Und während ich von meinem Dauerbrenner «ich und meine Schuldgefühle» erzählte, fragte mich meine Freundin, ob mir der Name «Byron Katie» etwas sage? Nein, von dieser Frau hätte ich noch nie gehört, antwortete ich und fragte, was die denn so mache? Ja, so genau wisse sie das auch nicht, sagte meine Freundin. Sie habe durch eine Freundin von dieser Frau gehört und anscheinend habe diese Byron Katie eine Methode entwickelt, mit der man belastende Gedanken untersuchen könne.

Ich fühlte, noch während meine Freundin ein wenig von dieser Frau erzählte, dass dies vielleicht mein sehnlichst erhoffter Ausweg aus meinen Schuldgefühlen sein könnte. Und ich spürte dieses vertraute Gefühl, welches immer auftaucht, wenn ich von innen her einfach die Gewissheit habe, dass etwas stimmig ist. Und so rief ich anderntags bei der Buchhandlung meiner Mutter an und bestellte ein Buch von Byron Katie. Auf die Frage, welches ich denn gerne hätte, wusste ich keine Antwort und sagte einfach: «Dasjenige, das ihr jetzt gerade im Laden stehen habt.»

Zwei Tage später hielt ich Byron Katies The Work von Moritz Boerner in der Hand. Moritz Boerner ist Filmemacher, Journalist und Buchautor. Er begegnete Byron Katies Selbstbefragungsmethode und hat 1999 darüber ein Buch geschrieben. Entgegen meiner Gewohnheit, mir jeweils zuerst einen Überblick via Inhaltsverzeichnis zu verschaffen, überblätterte ich dieses, begann sofort im Einstiegstext Ein faszinierendes Werkzeug zu lesen und begegnete vollkommen überraschend meiner eigenen Geschichte.
Der Geschichte einer Mutter, die vor 15 Jahren unter tragischen Umständen ihren Sohn verloren hatte und seither nie mehr glücklich war. Einer Mutter, die ausgebildet war in klinischer Neuropsychiatrie und Trauerarbeit und die von sich selbst sagte, sie sei aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung eigentlich sehr intensiv auf einen solchen Schicksalsschlag vorbereitet gewesen, dennoch habe sie die Last der Geschichte als schier unbezwingbar empfunden. Als diese Frau mit The Work begann, konnte sie sich innert kurzer Zeit von ihrem jahrelangen Leiden befreien.

Mit einer solchen Geschichte hatte ich nie und nimmer gerechnet. Und nicht nur der Einstiegstext war faszinierend, das ganze erste Kapitel, das beschrieb, was The Work ist, begeisterte mich. Ich begegnete erstmals in meinem Leben einer Methode, mit der man seine belastenden Gedanken untersuchen kann.

Einer Methode, die davon ausgeht, dass sich jeder belastende Gedanke nach getaner Überprüfungsarbeit (The Work) ganz von alleine auflöst und damit die Befreiung von schmerzvollen Gefühlen bewirkt.

Ich fühlte mich innerlich sehr angesprochen von dieser Methode und fragte mich, ob ich vielleicht auch alle meine Gedanken in meiner leidvoll traurigen Situation mit den vier Fragen untersuchen könnte?

Ob das möglich ist? Ob dies derjenige Weg sei, auf den ich so fest gehofft hatte?

Ich wollte es wissen und setzte mich an meinen Laptop. Bevor ich nun jedoch von meiner ersten Work erzähle, möchte ich eine kurze Einführung in die Methode selbst geben.

(Fortsetzung folgt)

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Quelle: trosthandbuch, Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
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Die ersten Tage danach

Wer schon einmal erlebt hat wie das ist, wenn einem die Nachricht überbracht wird «dein geliebter Mensch ist tot» der weiss, wie es sich für mich angefühlt haben muss, als mein älterer Sohn Basil mir die Nachricht überbrachte, mein jüngerer Sohn Julian sei gestorben.

Wer das Glück hat, so etwas noch nie erlebt zu haben, der kann sicherlich erahnen, wie es sich anfühlt, wenn ihm so etwas widerfährt.

Meine Geschichte könnte nun derart weitergehen, dass ich ausführlich über meine Gefühlslage der ersten Tage oder gar des ersten Jahres danach berichten würde. Dann jedoch wäre es nicht dasjenige Buch, das zu schreiben mir vorschwebt. Ich möchte deshalb meine Geschichte auf eine etwas andere Art und Weise weiter führen, indem ich so chronologisch wie möglich von denjenigen Erfahrungen erzähle, die ich in der Zeit danach gemacht habe.

Die Zeitungsberichte

Eine dieser Erfahrungen war diejenige, die ich mit der Berichterstattung in der Presse gemacht habe. So schrieb zum Beispiel die in tausendfacher Auflage überall herumliegende Gratiszeitung 20 Minuten bereits am Montagmorgen, was sich in der Nacht auf Sonntag alles zugetragen hatte:

«Julian W. hatte LSD im Blut
Der am Sonntag im Büschiwald in Köniz leblos aufgefundene Julian W. stand unter Drogeneinfluss. Gegen seine Kollegen läuft nun ein Verfahren wegen unterlassener Nothilfe.»

Wäre ich damals auf Seiten der Leserschaft gestanden, wäre mein erster Gedanke mit Bestimmtheit gewesen: Zum Glück hat mein Kind bei dieser Waldparty nicht mitgemacht! Ich stand jedoch auf der anderen Seite und eines meiner Kinder hatte mit- gemacht und war gestorben. So habe ich die Zeitungsartikel mit ganz anderen Augen gelesen und immer wiederkehrend war da dieser eine Gedanke: Warum gerade er? Ich las von dieser Nacht, sah den Namen meines Sohnes, sah die Bilder dieses Waldes und meine tiefe Trauer wurde durch die ausführliche Berichterstattung noch einmal in unbeschreiblicher Weise verstärkt:

Wie kann es sein, dass ich in dieser Nacht von der Not meines Sohnes nichts gefühlt habe?
Wie ist es möglich, dass mein Sohn stundenlang im Wald am Boden gelegen hat und ganz alleine sterben musste, wo er doch in der Nacht zuvor noch friedlich in unserer Ferienwohnung geschlafen hatte?
Was ist geschehen in dieser kurzen Zwischenzeit?
Und wie kann es sein, dass ich gerade noch unzählige Bilder von im Meer herumtollenden Julian mit meinem iPhone aufgenommen habe und mir nun heute Zeitungsfotos anschauen muss, die von einer ganz anderen Wirklichkeit erzählen?

Täglich wurden die Berichte in den Zeitungen aktualisiert. Ich hatte sogar Verständnis dafür, genauso wie alle anderen wollte auch ich wissen, was genau geschehen war an dieser Waldparty, bei der plötzlich LSD im Spiel war.
Von wem?
Wen kann man dafür zur Verantwortung ziehen?
Wer waren letztlich die Schuldigen?
Was muss getan werden, damit sich ein solcher Vorfall nie wieder ereignen wird?
Und vor allem: Inwiefern kann ich meine Kinder schützen, damit ihnen so etwas nie geschieht?!

Ja, mit Bestimmtheit hätte auch ich alle diese Zeitungsartikel gelesen und mich ein wenig gewundert, dass Fachleute berichteten, an LSD sei noch kein einziger Mensch gestorben. Ich hätte die darauffolgenden Artikel interessiert mitverfolgt und immer wäre da im Hintergrund dieses unendlich dankbare Gefühl gewesen, dass dieser Kelch noch einmal an mir vorbeigegangen ist.

Nun las ich die Berichterstattungen zum Fall «Büschiwald/Köniz» aus einer ganz anderen Perspektive, denn der Kelch blieb an mir hängen und der Gedanke «hätte ich doch» nahm so viel Raum in meinem Kopf ein, dass ich die Antwort für die Schuldfrage längst gefunden hatte.

Mein Sohn war gestorben und in meinen Augen trug ich die alleinige Verantwortung dafür, denn ich war seine Mama, ich hatte ihn neun Monate in mir heranwachsen gefühlt, und ich hatte meinen beiden Kindern bei ihrer Geburt versprochen, dass ich alles für sie tun und immer für sie da sein würde.

(Fortsetzung folgt)

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Quelle: trosthandbuch, Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
Siehe auch: Der Tod und was danach kommt (in diesem Blog)

Die Beratungszeit

Endlich waren die Sommerferien vorbei und ich konnte mit Julian zur Fachstelle «Berner Gesundheit» gehen. Die Beratung war sehr professionell und umfassend. Julian wurde darüber aufgeklärt, dass Cannabis nicht einfach harmlos sei, sondern sich auf vielerlei Arten nachteilig auf die Gesundheit und die Psyche auswirken könne. Dank der grossen Auswahl an Büchern und DVDs, die man in der Fachstelle ausleihen konnte, wusste Julian bald einmal auch sehr gut über die Wirkungen aller anderen Drogen Bescheid, die derzeit im Umlauf waren. Wir schauten viele Videos gemeinsam an und so erfuhren wir unter anderem, dass LSD eine bewusstseinsverändernde Droge ist, alles andere als harmlos, jedoch direkt keine tödlichen Folgen hat, ganz im Gegensatz zu Heroin oder der neusten Droge Crystal Meth, von welcher man weiss, dass sie bereits nach dem Erstkonsum tödliche Folgen nach sich ziehen kann. Ich sprach mit Julian auch sehr offen über meine Ängste, dass Cannabis für ihn zu einer Einstiegsdroge werden könnte und so trafen wir im Rahmen der Beratung ein paar Vereinbarungen.

Zielvereinbarungen

Julian wünschte sich, dass ich ihm vertraue und ihn nicht mehr so stark kontrolliere und anerkenne, dass er nun mit 15 Jahren kein kleiner Junge mehr sei. Als Gegenleistung dazu erwartete ich von ihm, dass er sich an unsere jeweiligen Abmachungen halte, so dass ich Schritt für Schritt Vertrauen aufbauen könne. Ich erklärte ihm, dass meine Geschichte mit meinem Bruder mir halt noch immer tief in den Knochen sitze.

So kamen wir darin überein, dass wir einander auf diesem Weg gegenseitig unterstützen wollten. Mein Ziel jedoch blieb dasselbe und das deklarierte ich auch klipp und klar: Ich wollte, dass sich Julian bis Ende des Jahres endgültig vom Cannabiskonsum verabschiedete, sah aber ein, dass es sich dabei um einen Prozess handelte, den man nicht einfach so abkürzen konnte. So klärten wir beim letzten Termin auf der Fachstelle vor den Herbstferien noch ab, wie der Prozess im Detail ablaufen würde. Allen war klar, dass wir uns nach den Ferien wiedersehen würden, um ihn voranzubringen. Doch es sollte anders kommen, ganz anders.

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Julian hört zu

Am Abend nach der Beerdigung sprach ich zum ersten Mal mit Julian über die Geistige Welt. Ich versuchte ihm so gut als möglich zu erklären, dass Dora nun dort lebe und dass es ihr gut gehe. Ich wisse das, weil ich darüber viele Bücher gelesen hatte und weil mein Bruder auch in der Geistigen Welt sei. Und ich erzählte ihm von meinen Erfahrungen.

«Zusammen mit deiner Grossmutter bin ich schon mehrmals bei einem Medium gewesen und dank ihnen haben wir mit Lukas ‹sprechen› können. Lukas hat Sachen von sich erzählt und das Medium hat alles in unsere Sprache übersetzt. Weisst du Julian, wenn wir gestorben sind, dann schlüpfen wir einfach aus unserem schweren und müde gewordenen Körper hinaus und gehen in die Geistige Welt. Dort sehen wir alle Verstorbenen unserer Familie wieder. Und dank guter Medien können wir schon heute Kontakt mit ihnen aufnehmen, wenn wir wollen.»

Julian lernt Pascal Voggenhuber kennen

Um Julian zu zeigen, dass es diese Medien auch wirklich gibt, holte ich einige meiner Lieblingsbücher hervor. Auf einem dieser Bücher waren die Augen eines jungen Mediums abgebildet und ich sagte zu Julian, dies sei Pascal Voggenhuber. Da Julian mehr über diesen Pascal Voggenhuber wissen wollte, setzten wir uns an meinen Computer und schauten gemeinsam auf dem ein paar Kurzfilme an, in denen Pascal Voggenhuber über seine Arbeit als Medium spricht und plötzlich sagte Julian: «Mama, ich weiss jetzt, was ich einmal werden möchte. Ich möchte das werden, was Pascal Voggenhuber ist. Kann man das werden?»

Ich erinnere mich noch sehr genau an diese Worte, auch daran, wo ich sass und was ich Julian geantwortet habe. Für mich war dies ein eindrücklicher Moment; zu sehen, wie Julian in kindlicher Naivität glaubte, man könne den Beruf eines Mediums genauso leicht erlernen wie irgendeinen anderen Beruf.

Ich liess ihn in dem Glauben und versprach ihm, alles daran zu setzen, dass er diese Ausbildung bei Pascal Voggenhuber machen könne. Für mich dachte ich, dass sich dieser Berufswunsch wohl kaum einmal erfüllen würde. Zum einen war Julian zu dieser Zeit noch sehr jung und da verändern sich die Berufswünsche schneller als die Jahreszei- ten. Zum anderen wusste ich, dass man ein Minimum an Begabung mitbringen musste, wollte man ein gutes Medium werden. So freute ich mich einfach darüber, dass Julian sich mit dem Wissen über die Geistige Welt ein wenig vertraut gemacht hatte, und dass dieses Wenige mitgeholfen hatte, ihn zu trösten.

Die Kinder werden älter

Im Laufe der nächsten Jahre stand die Schule im Zentrum unserer Aufmerksamkeit und es galt, beide Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und sie bestmöglich zu begleiten. Dann geschah etwas Sonderbares. Je näher mein älterer Sohn Basil der Pubertät kam, desto mehr glich er meinem Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten und da kam auf leisen Sohlen wieder mein Glaubenssatz angeschlichen, um raumfüllend mein Denken in Beschlag zu nehmen: Das Schlimmste, was mir je passieren könnte, wäre, mein Kind zu verlieren.

Mein Glaubenssatz bewahrheitete sich jedoch nicht, denn Basil überlebte die Zeit der Pubertät schadlos, auch wenn es Phasen gab, in denen ich sehr gelitten hatte unter meinen Befürchtungen. Er wurde immer erwachsener und bald schon erinnerte er mich nicht mehr an meinen Bruder und alles schien wieder eitel Sonnenschein zu sein, bis zu dem Zeitpunkt, als der jüngere Sohn Julian plötzlich auf sich aufmerksam machte, indem er nun in die Pubertät und somit in die Phase des «Alles-Ausprobierens» kam.
Dies sei eine Zeit, in der das Gehirn wie auf einer Baustelle vor sich hin improvisiere, liess ich mir von Fachleuten erklären und wo sonst Grenzen wirksam seien, würden viele Jugendliche nur Möglichkeiten sehen, die auf ihre Wirkungen hin ausgetestet werden müssten.

Als bei mir anfangs Juni 2014 der Verdacht aufkam, Julian würde Cannabis ausprobieren, kaufte ich THC-Teststreifen und führte in unregelmässigen Abständen Kontrollen durch. Julian war meistens «sauber», unter anderem auch deshalb, weil er oftmals schlauer war als ich und mich austrickste. Ich merkte bald einmal, dass uns dieser Weg nicht weiterbrachte und so rief ich bei der Beratungsstelle «Berner Gesundheit» an. Weil mittlerweile bereits die Sommerferien vor der Tür standen, einigten wir uns auf einen Termin in der ersten Schulwoche des Herbstquartals. In der Zwischenzeit versuchte ich so gut es ging, meine immer grösser werdenden Ängste in Schach zu halten. Ich redete mir ein, dass ja viele Jugendliche in diesem Alter Cannabis ausprobierten, dass dies überhaupt nichts Schlimmes zu bedeuten habe, und dass ich ja alles in die Wege geleitet hätte, um durch fachliche Hilfe dem Problem beizukommen.

Das alte Fotoalbum

Während dieser Sommerferien entdeckte ich eines Tages ein altes Fotoalbum meines Bruders. Als ich abends für mich alleine war, schaute ich mir die Fotos noch einmal ganz genau an und da kam eine Welle des Schmerzes über mich, wie ich sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt hatte. Ich weinte lange, war vollkommen verzweifelt und geriet in Panik – wusste aber nicht weshalb. Anderntags zeigte ich Julian die Fotos und erzählte ihm von meiner Angst um ihn. Julian umarmte mich und wollte mich beruhigen mit den Worten: «Ach Mama, du machst dir immer so viele Sorgen um nichts!»

Seine Worte halfen nicht, meine Sorgen blieben und mein alter Glaubenssatz besetzte erneut mein ganzes Denken: Das Schlimmste, was mir je passieren könnte, wäre, mein Kind zu verlieren.

(Fortsetzung folgt)

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Quelle: trosthandbuch (Seite 16-19), Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
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Was bleibt

Als die Kinder älter wurden, erzählte ich ihnen von meinem verstorbenen Bruder Lukas und beantwortete diejenigen Fragen, die sie mir dazu stellten. Sie wollten wissen, wie er so gewesen sei, wollten Fotos von ihm anschauen und dass ich ihnen von meinen Erlebnissen mit ihm berichtete. Darüber hinaus stellten sie keine Fragen und das war gut so für mich. Ansonsten war der Tod kein spezielles Thema in unserem Familienumfeld bis zum Todestag unseres Nachbarschaftsgrosis Dora.

Dora war eine herzensgute Frau, die Kinder und Katzen über alles liebte und wunderschön malen konnte. Uns alle verband eine innige Nähe zu Dora und obschon Julian damals erst zehn Jahre alt war, beschlossen wir, ihn an Doras Beerdigung mitzunehmen.

Doras Beerdigung

Es war eine wunderschöne Trauerfeier inmitten der Natur. Die Sonne schien und wir standen vor dem Gemeinschaftsgrab in einem Kreis zusammen. Es gab ein berührendes Ritual, Gedichte wurden vorgetragen und der Pfarrer erzählte von dieser wunderbaren Frau. Weil sich alles ein wenig hinzog, nahm ich Julian an die Hand und sagte zu ihm, es würde sicher nicht mehr lange dauern.

Dann kam der Moment, auf den Julian so ganz und gar nicht vorbereitet war.

Der Pfarrer ging gemessenen Schrittes auf das Loch in der Mitte des Kreises zu. In der Hand hielt er eine Netztasche mit einem länglichen Gefäss drin. Oben am Netz war eine lange Schnur befestigt. Für Julian sah das Ganze aus wie eine Fischreuse. Als leidenschaftlicher Fischer kannte er sich aus mit solchen Netzen und wer weiss? Vielleicht hatte es ja Wasser in diesem Loch? Julian zog an meiner Hand, lehnte sich nach vorne und schaute gespannt zu.

Jetzt stand der Pfarrer vor dem Loch und sprach ein paar bedeutsame Worte. Julians Hand verkrampfte sich. Langsam liess der Pfarrer die Fischreuse in das Loch gleiten. Der Druck von Julians Hand verstärkte sich. Mit einer Schaufel Erde deckte der Pfarrer die Fischreuse zu. Es wurde ein Gedicht vorgetragen und der Name «Dora» wurde mehrfach genannt. Da zog mich Julian mit der Hand zu sich herunter. In seinem Blick lag Panik. In seinen Augen spiegelte sich das Entsetzen. Flüsternd fragte er: «Mama, ist das Dora?»

Als Julian so zu mir aufsah, seine Hand sich krampfhaft an meine klammerte und ich seine weit aufgerissenen Augen vor mir sah, da wusste ich, dass ich dieser Frage nicht ausweichen konnte.

«Nein Julian, das ist nicht Dora.» Meine Antwort war sehr klar. Da war kein Zweifel in meiner Stimme, nur die Gewissheit, dass diese Fischreuse nichts mit seiner geliebten Dora zu tun hatte. Ich versprach Julian, dass ich ihm daheim erzählen würde, wo Dora jetzt sei.

(Fortsetzung folgt)

Quelle: trosthandbuch (Seite 15/16), Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch
Siehe auch: Der Tod und was danach kommt (in diesem Blog)

Der Tod und was danach kommt

Ich bin Mutter zweier Söhne. Der Ältere wird dieses Jahr einundzwanzig Jahre alt und der Jüngere verließ seinen physischen Körper 2014, kurz nach seinem 15. Geburtstag. Im Laufe der letzten Jahre setzte ich mich deshalb intensiv mit den Themenbereichen Medialität und Nahtodforschung auseinander und lernte die kognitive Selbsthilfemethode The Work nach Byron Katie kennen, welche mir in meiner Trauer wegweisend geholfen hat. In diesem Blog möchte ich gerne ein wenig über den hilfreichen Trostfaktor Nahtodforschung schreiben.

Trump ist ein medienwirksames Thema. Andere Themen, wie etwa die aktuelle Nahtodforschung, sind nicht so medienwirksam und nur wenige wissen, dass in den letzten fünf Jahren Tausende von dokumentierten Nahtodberichten gesammelt wurden. Weltweit sind es sogar Millionen. Es gibt auch in der Schweiz eine Vereinigung, die sich mit der aktuellen Nahtodforschung befasst. Sie heißt IANDS Schweiz und wird von einem Arzt, Dr. Reto Eberhard Rast, geleitet. Viele Ärzte haben in den letzten Jahren über dieses Thema geschrieben. Der Kardiologe Dr. Pim Van Lommel hat sogar ein vierhundertseitiges Buch über das endlose Bewusstsein verfasst, das wir seiner Meinung nach sind, und Dr. Alexander Eben schrieb einen Bestseller, in dem er von seiner eigenen Nahtoderfahrung erzählt.

Die aktuelle Nahtodforschung geht der Frage nach, inwiefern es den Tod, wie wir ihn zu kennen glauben, gar nicht gibt, und inwiefern unser geliebter Mensch sehr wohl noch lebt und an unserem Leben Anteil nimmt. Untermauert werden diese Ergebnisse der wissenschaftlich geführten Nahtodforschungen von seriösen Medien, die mit dem geliebten Menschen Kontakt aufnehmen können.

Im Laufe der letzten beiden Jahre habe ich selbst ein paar solcher Kontakte mit meinem Sohn erleben dürfen. Und es ist für mich immer wieder sehr tröstlich von meinem Sohn zu erfahren, wie es ihm geht. Tröstlich auch das Wissen, dass er überhaupt nicht alleine ist, sondern vom ersten Moment seines Überganges an von unseren Verwandten umgeben war. In erster Linie sind das meine Großeltern mütterlicherseits und mein jüngerer Bruder, der mit zwanzig Jahren in die geistige Welt hinübergegangen ist. Die Erfahrungsberichte der aktuellen Nahtodforschung bestätigen mir, dass auch ich meinen vorausgegangenen Verwandten einmal begegnen werde. Und entgegen vieler Meinungen handelt es sich hierbei keineswegs um Halluzinationen, wie bereits Frau Dr. Kübler-Ross und Dr. Raymond Moody vor dreißig Jahren bewiesen haben. In ihren Büchern beschrieben sie schon damals Fälle, in denen Nahtoderfahrene einem Verwandten begegnet waren, von dem sie gar nicht wissen konnten, dass er bereits in die Ebene der geistigen Welt gewechselt hat. Solche Fälle werden in der immer stärker anwachsenden Literatur auf vielfältigste Weise dokumentiert und so entdecke ich beim Lesen stets Neues und kann meinen Horizont und somit auch meine Perspektive erweitern. Und aus einer erweiterten Perspektive heraus entwickle ich neue Sichtweisen. Und diese neuen Sichtweisen verhelfen mir zu einer inneren Ruhe und zu der zweifelsfreien Gewissheit, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde als das materialistische Weltbild uns glauben machen möchte.

Weitere Infos: trosthandbuch, Barbara Walti, Selbstverlag 2016 (siehe  Medientipps und www.barbarawalti.ch